Weise Ware


Leicht beieinander wohnen die Gedanken,
aber hart im Raume stoßen sich die Sachen.


Fr. Schiller








Fünf Komödien


Der Kosmos  warf als Ei
mich eines Tages in die Pfanne.
Ich sollte auf die Welt
zu Tisch und Kaffeekanne.
                    Wie es Euch gefällt ...

Der Flug war angenehm und ruhig.
Ich kann mich nicht beklagen.
Doch wie ich bald erfahren sollt’ –
Es ändern sich die Lebenslagen.
                    Was Ihr wollt!

Der Aufschlag nämlich war ein herber Bruch
und ging mit Macht durch Mark und Bein.
Doch angenehm: – K a f f e e g e r u c h !
Das muss das Sein sein!!
                    (Hier passt kein Shakespearespruch)

Von da an war das Leben
mal ein HIN und mal ein HER.
Es ruckelte in Zeit und Raum
und ein Mal sogar sehr!
                    Kein Sommernachtstraum ...

Es scheint das Rezept des Gerichts,
die Farben sollen wohl zerlaufen.
Schicksal jeden Menschenlichts:
Als Rührei tut man sich verkaufen!
                    Ergo: Viel Lärm um nichts ..?

Geteiltes Leid ist halbes Leid!
So kann man sich schon trösten.
Der Globus ist ja weit und breit
recht voll von Unerlösten...
Was ich neulich in der Zeitung las:
(Oder finden Sie das Kitsch??)
Man verbiete sich nie einen Spaß,
doch immer: – ACHTUNG, MESSAGE!
                    Maß für Maß.






Das Leben


Das Leben?
Ein Scheiß nach dem andern! So hat man gesagt.
Ich muss jetzt keine Meinung abgeben –
es sei denn, dass man mich fragt,
was ich als Künstler dazu vertrete ...
                             Frühe Mühe – späte Knete!

Das Leben?
Ein Trank aus einem dunklen Gewässer
mit Aufheiterungen von Süße –
da schmeckt es besser.
(Den Optimisten meine Grüße!)
Welche Sicht ich unterm Strich vertrete?
                             Frühe Brühe – späte Lethe!

Das Leben?
Sodom und Gomorra ist wohl noch untertrieben!
Man gewöhnt sich ja an viel ...
Wären wir nur in dem Garten geblieben –
Unser Wandeln – ein ewiges, holdes N i h i l .
Welchen Pfad ich auf dem Weg betrete?
                             Frühe Flüche – späte Gebete!

Das Leben?
Fantastisch! Großartig! Einfach erste Sahne!
Und wenn man es erst überblickt,
dann ist es am schönsten – grad das Profane!
Eben jetzt bin ich regelrecht entzückt,
da mir dies Poem geglückt!
Resümieren wir also mit Güte:
                              Frühe Beete – späte Blüte!






Kunst und Gunst


Hier ne Zeit lang war ich unheimlich auf Kunst und so.
Wo ich nicht alles gewesen bin ...
Ne hippe Ausstellung und ich war froh.
Da war diese Stimme: Nichts wie hin!

Der Rausch der Farben, die Farben des Rausches,
und dann erst der Stoff für die Birne!
Futter manch philosophischen Plausches
verstopft mir noch heute die Stirne.

Die Malerei ist ja schon schön.
Will ich gar nichts gegen sagen.
Manch ein Oeuvre ist anzusehen.
Lebens-, Liebes-, Leideslagen.

Nur würde ich ein bisschen was kürzen,
grad aus den CONTEMPORARY-Jahren!
Muss nicht alles die Wände würzen,
wo Immendorfsche zugange waren...

Hier zurzeit bin ich ganz davon weg mit Museen.
Stehen eher so in der Gegend herum.
Wenn wieder irgendwo Leinwände wehen,
mach ich meist einen Bogen darum.

Überhaupt, das Leben mit Kunst auszumessen –
zugegeben, ein netter Versuch...
Leider wandelt sich häufig stattdessen
solch Fleiß gerade zum Fluch!

Man muss sich wohl in Bescheidenheit üben,
wenn es um das GROSSE GANZE geht.
Hier fischt sogar ziemlich im Trüben
manch fleißiger Dichterpoet...




Die Welt der zehntausend Dinge


Ich sehne mich zurück
in die Welt der zehntausend Dinge!
Das muss so in den Siebzigern gewesen sein...
Der Tand umschwirrt uns. Saturnische Ringe
locken in farbigem Schein.

Der Krimskrams der Welt –
heut geht er in die Millionen.
Wie jeder auf die Knie fällt
vor heidnischen Ikonen...

Ich sehne mich zurück
in die Welt der zehntausend Sachen!
Das muss so damals gewesen sein...
Und wäre mir grad nicht zum Lachen,
ich würde wohl lauthals schreien!

Alles dreht sich immer schneller.
Auf der Suche nach dem Kick
kostet man von jedem Teller
und sendet ihn alsbald zurück.

Ich sehne mich zurück
in die Zeit der zehntausend Teile –
Beim Urknall war die Welt fast hohl!!!
Ne leere Strophe ohne Zeile
                       




                              in dieser Weise wohl...

Alle hetzen durch die Städte,
doch es holt sich selber keiner ein,
Der Fall liegt klar: Ich wette –
das muss der  F O R T schritt sein!








Klingt logisch, is aber so!


Das Klima:  Hitze und Regen en gros –
Klingt tropisch, is aber so!

Die Tiere:  auf dem Teller und im Streichelzoo –
Klingt zynisch, is aber so!

Das Volk:  ist dagegen, wählt aber pro –
Klingt idiotisch, is aber so!

Die Kunst:  Klee hängt oft auf dem Klo –
Klingt komisch, is aber so!

Die Mode:  Hosen nur halb übern Po -
Klingt unbequem, is es auch...!

Die Kohle: ist bei allem das A und O -
Klingt diabolisch, is aber so!

Die Macht:  haben Mafia, Fifa und Co –
Klingt ironisch, is aber so!

Das Gefühl:  Man ist nicht traurig und gleichzeitig froh –
Klingt logisch, is aber so...







Radio Gaga



Ich besitze der Radios zwei.

Das eine steht in der Küche,
das andre ist in meinem Kopf.
Kommen aus diesem schon unzählige Sprüche,
fehlt jenem gänzlich der Aus-Knopf.
Und schalt ich dieses ab,
kommt jenes auf Trab.
Ich besitze der Radios zwei
und nie, je bin ich frei.

Wie die Sender wechseln nervös, unentwegt!
Wer sitzt nur in meiner Birne, der am Empfang rumdreht?
Wer zappt so ruhelos durch meine Gedanken?
Durch die gemeinen, gerechten,
gesunden und kranken?

Welche Tat, welche Haltung
mag mich erlösen
von der Hirnkonferenzschaltung,
dieser unseligen, bösen?

Von dieser Neverendingstory,
von diesem Kino ohne Ende?
Es wäre eine Lebenswende,
Manna, Jubel, Glory!

Man munkelt ja, es gäbe eine Übung
namens

     MEDITATION

die nähme hinweg jene Trübung

bei täglicher Ration.
Nur sei die Kur eine Spur monoton.
Man sitzt einfach da und atmet aus und ein –

das soll angeblich schon alles sein.







Hälfte des Lebens



Ein Lyri- und ein Chemiker,

die prallten einmal auf der Straße aufeinander.
In vollem Galopp, ohne Stopp
also schwer.

P E N G  ! ! !

Das gab vielleicht einen Knall!
Das gab vielleicht eine Explosion!
Das war eine exolyrotherme Kernreaktion!
(Ein bis dato gänzlich ungehörter Ton.)

Und die seltsamsten Worte
flogen an die unvorstellbarsten Orte.







Jahrmarkt


Erster neunter Zweitausendzehn,

Herbstliche Winde gehen an und wehen.
Sonnenblumen welken,
milchgraue Wolken
bilden ein ernstes Empfangskomitee.


What happened to summer?
Wo ist der August? Es ist der alte Jammer.
Auch die Zeit folgt einem fern bestimmten Du musst.
Ich denke an die untere Hälfte der Riesenradfahrt –
und empfinde (bliebe sie uns doch erspart!)
ganz deutlich: Keine Lust...

Vielleicht jetzt noch mal schnell – aufs Karussell!!








Schnell gekauft, schnell NICHT gelesen...
Die Ballade vom ungeöffneten Buch


Du hoch gelobte Neuerscheinung,
leider änderte ich meine Meinung.
Mein protegierter Gegenwartsroman,
es landen täglich neue Schiffe an ...

Verschweißt bist du gewesen,
zugeklappt und neu.
So habe ich dich aufgelesen,
fast mit Scheu ...


Doch dann kam das Wochenende
und irgendwie - Leben - dazwischen.
Jetzt ist’s, als wenn was im Wege stände,
bin schon an anderen Tischen...

Nun wartest Du im Regal,
auf jenen Griff von mir zu dir;
und es wächst der Wochen Zahl,
Du stehst da, ich sitz hier ...

Die Karawane zieht weiter,
der Sultan hat Durst.
Das stimmt Dich nicht heiter,
kein Wunder, dass du murrst ...

Ich will Dir sagen, was ich denke,
ganz offen und ehrlich:
Dass ich Zeit ungern verschenke
und Du bist vielleicht doch entbehrlich ...







Das Füllsel


Irgendwie würde ich gern

so etwa inwiefern ein Gedichtchen
für das Wörtchen Füllsel
na ja, machen oder schreim
doch hier geht es schon los –
es fehlt der Reim.
Das Wort steht bloß
und ganz allein.

Wie fang ich’s also an...?
Ich merke schon - ach, Mann!
Es kommt nichts recht zu Stande
glaube ich. Jedenfalls
fehlt irgendwie das Salz -
unterm Strich, nur so am Rande.

Hm, dies Werk: Das Füllsel
wirkt nicht gerade inhaltsschwer.
Eher eine Art von Hüllsel,
wie äh, damals: Flasche leer!

So ist im Leben manches aufgeplustert,
wodurch das Dasein sich durchaus verdustert.






Im Wald


Gott oder Zufall – einer von beiden wills,
treff ich im Wald doch auf diesen riesigen Pilz
Steht, ganz wie man selbst schon mal stand,
gelassen, gewitzt am Wegesrand.

Staunend gehe ich leis auf ihn zu – atme kaum,
und wie ich ihn sacht mit dem Finger stips - -
da ist er nicht mal aus Gips!
Gelobt sei Zeit und Raum.

Gott, der Zufall - einer von beiden wollts,
er war auch nicht aus Holz.
Ja, man spreche mir nach: Er war E C H T!
Ganz aus Pilz war der Pilz!!
Gott, Zufall - einer von beiden... -
Nicht schlecht!

Erst recht nicht war er aus Polyvinylchlorid!
Und kein Schild nirgendwo:
Made in Chi... – No!!
Ein kleiner Schritt
für die Menschheit,
ein großer für mich – in den Wald.
Gott? Zufall? Ich gehe wieder hinein – weit
und bald!